Vorbild Berliner Mietshaus.
Wiederentdeckung eines nachhaltigen Bautyps
Das Buch beleuchtet das Berliner Mietshaus des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts als Modell für nachhaltige, dichte und zugleich schöne Stadtquartiere – und bietet Anregungen für den aktuellen Städtebau. Die robust konstruierten Gebäude mit flexiblen Grundrissen, hoher Reparaturfähigkeit und serieller Bauweise schaffen bis heute urbane Qualität.
- Herausgeber: Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg e.V., Tobias Nöfer
- ISBN: 978 3 8030 2229 5
- Format: 30 x 24 cm Querformat, Hardcover
- Auflage:
€38,00
inkl. 7% MwSt.
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Das Berliner Mietshaus aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg zählt zu den dauerhaftesten, anpassungsfähigsten und städtebaulich überzeugendsten Stadthaustypen Europas – und ist dennoch als Vorbild in der zeitgenössischen Städtebaupraxis nahezu verschwunden. Das vom Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg und seinem früheren Vorsitzenden, dem Architekten Tobias Nöfer, herausgegebene Buch präsentiert seine städtebaulichen, architektonischen, ökologischen und sozialen Qualitäten und fragt, weshalb dieser über Generationen bewährte Wohn- und Bautypus heute kaum noch als Vorbild dient.
Das Berliner Mietshaus steht für eine Bauweise, die Dauerhaftigkeit, Anpassungsfähigkeit und urbane Qualität miteinander verbindet: robuste Konstruktion, flexible Grundrisse und die Fähigkeit, unterschiedlichste Nutzungen über Generationen hinweg aufzunehmen. Tobias Nöfer, AIV-Vorstandsmitglied und Mit-Herausgeber der Publikation, betont: „Gerade unter den heutigen Anforderungen an Verdichtung, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung gewinnt dieser Bautyp neue Aktualität. Die im 19. Jahrhundert entwickelten Häuser zeigen, wie sich weitsichtige Investitionen durch lange Lebensdauer, Reparaturfähigkeit und kontinuierliche Anpassung rechtfertigen lassen. Sie verbinden serielles Bauen mit architektonischer Individualität und schaffen zugleich jene urbane Dichte, die eine funktionierende Stadt ausmacht. Dieses Vorbild gilt es auf heutige Bauweisen zu übertragen, um mit vergleichbarer Effizienz und mit ebenso beschränkten Mitteln dennoch schöne Stadt zu bauen.“
Gleichzeitig wird deutlich, dass der Blick auf das Berliner Mietshaus bis heute von ideologischen Zuschreibungen geprägt ist – von der Kritik an der „steinernen Stadt“ bis hin zu aktuellen Debatten um Gentrifizierung. Die Publikation plädiert dafür, diesen Bautyp neu zu betrachten: als konkretes Modell für einen zukünftigen, nachhaltigen Städtebau.
Die rund 100 Fotografien von Maximilian Meisse werfen einen neuen Blick auf herausragende Beispiele des Mietshauses in Berlin – in Friedenau und Charlottenburg ebenso wie am Prenzlauer Berg, in Treptow oder am Plättnerwald. In Essays und Aufsätzen namhafter Autorinnen und Autoren zu den Themen Städtebau, Architektur, Konstruktion, Baugeschichte und Ästhetik wird das Berliner Mietshaus als Baustein für resiliente und zugleich schöne Stadtquartiere dargestellt. Ausgehend vom „Bebauungsplan der Umgebungen Berlins“ (1862) von James Hobrecht skizzieren Wolfgang Sonne und Marianne Kaiser eine Geschichte des Berliner Mietshauses und ordnen diesen Bau- und Wohntyp in die europäische Stadtgeschichte des 19. Jahrhunderts ein. Jan Herres stellt die flexiblen Grundrisstypen des Mietshauses vor und zeigt deren Potenzial für aktuelle Anforderungen an das städtische Haus. Wilko Potgeter beschreibt die vorherrschende Konstruktion des gründerzeitlichen Mietshauses und leitet aus wesentlichen Konstruktionsprinzipien eine Vorbildhaftigkeit für heutige Bauweisen ab. Michael Heinrich untersucht die architektonischen Instrumente der Fassadengestaltung und deren Einfluss auf Wahrnehmung und ästhetische Empfindungen. Tobias Nöfer schließlich erläutert, warum es in Berlin wie in anderen europäischen Städten auch aus politischer Perspektive an der Zeit ist, den parzellierten Städtebau mit seinen Straßen, Plätzen und Wohngebäuden wieder als Vorbild für neue Entwicklungen zu nehmen.
Das Buch versteht sich damit nicht nur als Dokumentation eines bedeutenden Kapitels der Berliner Baugeschichte, sondern auch als Plädoyer für ein nachhaltiges und qualitätvolles städtisches Bauen heute.
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Gewicht 1.1 kg Größe 24 x 30 x 18 cm Abbildungen 95 farbigen Fotografien und Zeichnungen Autoren Jan Herres, Marianne Kaiser, Maximilian Meisse (Fotografie), Michael Heinrich, Tobias Nöfer, Wilko Potgeter, Wolfgang Sonne ISBN 978 3 8030 2229 5 Herausgeber Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg e.V., Tobias Nöfer Seitenanzahl 176 Format 30 x 24 cm Querformat, Hardcover Erscheinungsdatum 24. Juni 2026 -
Professor Dr. Michael Heinrich, geboren 1966, ist Professor an der Hochschule Coburg und leitet das neu gegründete transdisziplinäre Institut Mensch & Ästhetik (Universität Bamberg, Hochschule Coburg) am Standort Coburg. Studium an der Universität Mozarteum Salzburg, künstlerische Berufspraxis als Bühnen- und Kostümbildner. Promotion in Psychologischer Ästhetik/Humanbiologie, Ludwig-Maximilians-Universität München. 2021 Berufung als Visiting Scholar nach Cambridge, Architekturfakultät. Fachsprecher des Forums Kultur der Europäischen Metropolregion Nürnberg, Redaktionsbeirat des Magazins „DIE ARCHITEKT“, Mitglied des Konvents der Baukultur der Bundesstiftung Baukultur.
Dr.-Ing. Jan Herres, geboren 1985 in Berlin, ist Bauassessor. Kaufmännische Lehre, Studium der Architektur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart sowie TU Berlin. Mitarbeit in Architekturbüros und Baureferendariat. Promotion am Lehrstuhl für Stadtbaugeschichte der TU Berlin. Wissenschaftspreisträger des Vereins für die Geschichte Berlins. Seit 2017 in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung tätig, derzeit Referatsleiter Wissenschaftsbau und stellvertretender Abteilungsleiter Hochbau.
M.Sc. Marianne Kaiser, geboren 1990, Studium der Architektur mit dem Schwerpunkt Städtebau an der TU Dortmund. 2018 Studium an der ETH Zürich. Berufliche Erfahrungen bei ingenhoven architects, Mäckler Architekten, am Lehrstuhl für GTA der TU Dortmund sowie am Deutschen Institut für Stadtbaukunst. Seit 2025 eigenes Architekturbüro.
Maximilian Meisse, geboren 1969 in Kassel, Architekturstudium Universität Stuttgart und ETH Zürich am Lehrstuhl von Hans Kollhoff. Seit 2004 freischaffender Fotograf und Autor zahlreicher Bildbände, die sich mit europäischen Stadträumen beschäftigen.
Dipl.-Ing. Architekt Tobias Nöfer, 1967 geboren in Ahaus, Berliner Architekt und Städtebauer. Seit der Gründung 1998 geschäftsführender Gesellschafter des Büros Nöfer Architekten. Von 2019 bis 2025 Vorsitzender des Architekten- und Ingenieurvereins zu Berlin-Brandenburg e.V., heute „Vorstandssprecher Politik“ des Vereins sowie Geschäftsführer der Berlin 2070 gGmbH. Zudem Mitglied im Werkbund Berlin und Vorstandsmitglied der Fördergesellschaft Deutsches Institut für Stadtbaukunst e.V.
Dr. Wilko Potgeter, geboren 1990 in Hannover. Studierte Architektur in Aachen und Zürich. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bauforschung und Denkmalpflege der ETH Zürich. Promotion zur Bautechnik backsteinsichtiger Fassaden im 19. Jahrhundert. Nach einer Anstellung als Architekt und Bauleiter in Zürich arbeitet er seit 2024 als Architekt in Nordhorn und führt daneben seine Forschungen zur Bautechnikgeschichte fort.
Professor Dr. Wolfgang Sonne, geboren 1965, leitet seit 2007 den Lehrstuhl für Geschichte und Theorie der Architektur an der TU Dortmund. Er ist stellvertretender Direktor des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst, das er 2008 mitbegründete, und wissenschaftlicher Leiter des Baukunstarchivs NRW. In München, Paris und Berlin Studium der Kunstgeschichte und Archäologie. Wolfgang Sonne lehrte u.a. an der ETH Zürich und der University of Strathclyde in Glasgow.
