Am 28. September 2026 erscheint im Wasmuth Verlag der Band 100 Jahre Volkswohnung. Zur Bau-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte der städtischen Wohnungsbaugesellschaft in Karlsruhe 1922–2022. Die Publikation verbindet die Geschichte des Unternehmens mit einem Jahrhundert Karlsruher Bau-, Stadt-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte – von der Wohnungsnot in der Weimarer Republik bis zu den aktuellen Herausforderungen wie bezahlbares Wohnen, energetische Modernisierung und nachhaltige Quartiersentwicklung.
Wie eine Stadt baut, wirtschaftet und ihre Menschen wohnen, erzählt viel über ihre Zeit. Der Band zeigt, wie eng die Geschichte der Volkswohnung mit der Entwicklung Karlsruhes verbunden ist. Themen wie soziale Mischung, Lebensqualität, Klimaschutz und die Zukunft des Bestands erscheinen dabei nicht als neue Fragen, sondern als Aufgaben, die sich unter jeweils veränderten gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen immer wieder neu stellen.
Die reich bebilderte Publikation ist mehr als eine klassische Unternehmenschronik. Wissenschaftliche Beiträge von Sophia Kluge, Nina Rind und Ludger Syré untersuchen zentrale Etappen des Karlsruher Wohnungsbaus. Sie führen von der Gründung der Vorgängergesellschaften und den Ideen des Neuen Bauens am Beispiel der berühmten von Walter Gropius 1929 angelegten Dammerstock-Siedlung, den Wiederaufbau und die Großsiedlungen der Nachkriegszeit bis zu den Fragen der Nachverdichtung und Bestandsentwicklung in der Gegenwart.
Interviews und Porträts mit prägenden Akteuren aus Kommunalpolitik und Unternehmensführung ergänzen diese historischen Analysen um persönliche Erfahrungen und Einschätzungen von Oberbürgermeistern, Aufsichtsräten und Geschäftsführern. Sie machen die Entscheidungen, Zielkonflikte und Handlungsspielräume sichtbar, die die kommunale Wohnungswirtschaft seit einem Jahrhundert bestimmen.
Zwei Fotoessays von Andrea Gnam richten den Blick auf das Gebaute und Gelebte: auf Wohnquartiere, Stadträume und ihre Aneignung durch die Menschen, die in ihnen leben. Mit rund 170, überwiegend farbigen Abbildungen dokumentiert die Publikation die architektonischen, städtebaulichen und sozialen Dimensionen des Wohnens in Karlsruhe. Dabei konnte ausgiebig auf die reichhaltigen historischen Bestände der Fotografen Erich Bauer (1908 – 1984) und Horst Schlesiger (1925 – 1993) zurückgegriffen werden.
Für Leserinnen und Leser mit Interesse an Architektur und Stadtgeschichte ebenso wie für die, die sich mit der Zukunft des Wohnens und der Rolle kommunaler Wohnungsunternehmen beschäftigen, ist dieser Band eine interessante Lektüre.