Christoph Sattler, geboren 1938 in München, ist zusammen mit Heinz Hilmer (1939–2026) Mitbegründer des Büros Hilmer & Sattler, das mit späteren Partnerinnen und Partnern zahlreiche Bauaufgaben realisiert hat: das Wohnhaus für den Philosophen Jürgen Habermas, den Masterplan für den Potsdamer und Leipziger Platz, die Berliner Gemäldegalerie und das Berliner Stadtschloss sowie viele Wohn-, Hotel- und Kulturbauten unter anderem in München, Karlsruhe und St. Gallen. Sein Wirken als Architekt steht für die behutsame Erneuerung der europäischen Stadt – für Straßen, Plätze, Höfe und Gebäude, die sich nicht als autonome Objekte verstehen, sondern Stadträume prägen und vervollständigen.
Die Zeichnungen bilden den sinnlichen und intellektuellen Kern von Sattlers Annäherung an die jeweilige bauliche Aufgabenstellung und haben nicht den Ehrgeiz, eine möglichst originelle Sprache als Ausdrucksform einer möglichst subjektiven architektonischen Haltung zu sprechen. Sie machen den jeweiligen Entwurfsprozess sichtbar und reihen sich in das Nebeneinander, Miteinander und Gegeneinander der zeichnerischen Architektursprachen der Moderne ein. Die Bandbreite der Arbeiten reicht von konzentrierten Bleistiftskizzen über expressive Studien zu urbanen Situationen bis hin zu sorgfältig schattierten Präsentationsperspektiven. Jede Darstellung findet ihre eigene Form, abgestimmt auf Bauaufgabe, Ort und räumliche Wirkung. Die Zeichnungen sind so Instrument des Denkens, Prüfens und Kommunizierens.
Die Publikation versammelt erstmals eine umfassende Auswahl von Sattlers Arbeiten, ergänzt um drei Textbeiträge. Der Architekturhistoriker Andres Lepik beschreibt Sattlers Zeichnungen als „das Ausdrucksmittel, um eigene Ideen in die Welt zu tragen“; der Journalist Bernhard Schulz würdigt Hilmer und Sattlers Architektur zwischen städtebaulicher Verantwortung, Tradition und dauerhafter Qualität, und der Hochschullehrer Peter Schmid untersucht die zeichnerischen Verfahren, Vorbilder und Ausdrucksqualitäten des Werks – von Linienführung und Schraffur bis zu Perspektive und Eigenschatten.
Begleitend zur Ausstellung findet am 14. Oktober um 19 Uhr eine Lesung des Autors und Schauspielers Hanns Zischler statt – mit Texten von Jakob Grimm, Leo von Klenze und Benno Meyer-Wehlack.
Um Anmeldung wird jeweils gebeten unter info@wasmuth-verlag.de