„Vorbild Berliner Mietshaus. Wiederentdeckung eines nachhaltigen Bautyps“ Buchvorstellung und Gespräch am 24. Juni in der Papierhalle des Wasmuth Verlags

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Berlin, 11. Juni 2026 – Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) und der Wasmuth Verlag laden am Mittwoch, den 24. Juni 2026, um 18.30 Uhr zur Vorstellung der Publikation „Vorbild Berliner Mietshaus. Wiederentdeckung eines nachhaltigen Bautyps“ in die Papierhalle des Wasmuth Verlags ein. Die Buchvorstellung wird von einem Gespräch mit Gästen aus Architektur und Städtebau begleitet. Die Veranstaltung findet vor dem Hintergrund der Ausstellung „Archetypen der Architektur und Landschaft“ von Maximilian Meisse statt, in der auch Fotografien aus dem Buch zu sehen sein werden.

Das Berliner Mietshaus aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg zählt zu den dauerhaftesten, anpassungsfähigsten und städtebaulich überzeugendsten Stadthaustypen Europas – und ist dennoch als Vorbild in der zeitgenössischen Städtebaupraxis nahezu verschwunden. Das vom Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg und seinem früheren Vorsitzenden, dem Architekten Tobias Nöfer, herausgegebene Buch präsentiert seine städtebaulichen, architektonischen, ökologischen und sozialen Qualitäten und fragt, weshalb dieser über Generationen bewährte Wohn- und Bautypus heute kaum noch als Vorbild dient.

Das Berliner Mietshaus steht für eine Bauweise, die Dauerhaftigkeit, Anpassungsfähigkeit und urbane Qualität miteinander verbindet: robuste Konstruktion, flexible Grundrisse und die Fähigkeit, unterschiedlichste Nutzungen über Generationen hinweg aufzunehmen. Tobias Nöfer, AIV-Vorstandsmitglied und Mit-Herausgeber der Publikation, betont: „Gerade unter den heutigen Anforderungen an Verdichtung, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung gewinnt dieser Bautyp neue Aktualität. Die im 19. Jahrhundert entwickelten Häuser zeigen, wie sich weitsichtige Investitionen durch lange Lebensdauer, Reparaturfähigkeit und kontinuierliche Anpassung rechtfertigen lassen. Sie verbinden serielles Bauen mit architektonischer Individualität und schaffen zugleich jene urbane Dichte, die eine funktionierende Stadt ausmacht. Dieses Vorbild gilt es auf heutige Bauweisen zu übertragen, um mit vergleichbarer Effizienz und mit ebenso beschränkten Mitteln dennoch schöne Stadt zu bauen.“

Gleichzeitig wird deutlich, dass der Blick auf das Berliner Mietshaus bis heute von ideologischen Zuschreibungen geprägt ist – von der Kritik an der „steinernen Stadt“ bis hin zu aktuellen Debatten um Gentrifizierung. Die Publikation plädiert dafür, diesen Bautyp neu zu betrachten: als konkretes Modell für einen zukünftigen, nachhaltigen Städtebau.

Die rund 100 Fotografien von Maximilian Meisse werfen einen neuen Blick auf herausragende Beispiele des Mietshauses in Berlin – in Friedenau und Charlottenburg ebenso wie am Prenzlauer Berg, in Treptow oder am Plättnerwald. In Essays und Aufsätzen namhafter Autorinnen und Autoren zu den Themen Städtebau, Architektur, Konstruktion, Baugeschichte und Ästhetik wird das Berliner Mietshaus als Baustein für resiliente und zugleich schöne Stadtquartiere dargestellt. Ausgehend vom „Bebauungsplan der Umgebungen Berlins“ (1862) von James Hobrecht skizzieren Wolfgang Sonne und Marianne Kaiser eine Geschichte des Berliner Mietshauses und ordnen diesen Bau- und Wohntyp in die europäische Stadtgeschichte des 19. Jahrhunderts ein. Jan Herres stellt die flexiblen Grundrisstypen des Mietshauses vor und zeigt deren Potenzial für aktuelle Anforderungen an das städtische Haus. Wilko Potgeter beschreibt die vorherrschende Konstruktion des gründerzeitlichen Mietshauses und leitet aus wesentlichen Konstruktionsprinzipien eine Vorbildhaftigkeit für heutige Bauweisen ab. Michael Heinrich untersucht die architektonischen Instrumente der Fassadengestaltung und deren Einfluss auf Wahrnehmung und ästhetische Empfindungen. Tobias Nöfer schließlich erläutert, warum es in Berlin wie in anderen europäischen Städten auch aus politischer Perspektive an der Zeit ist, den parzellierten Städtebau mit seinen Straßen, Plätzen und Wohngebäuden wieder als Vorbild für neue Entwicklungen zu nehmen.

Das Buch versteht sich damit nicht nur als Dokumentation eines bedeutenden Kapitels der Berliner Baugeschichte, sondern auch als Plädoyer für ein nachhaltiges und qualitätvolles städtisches Bauen heute.

Die Publikation wird von Tobias Nöfer und Rudolf Spindler (Wasmuth Verlag) in Anwesenheit von Autorinnen und Autoren vorgestellt, das Publikum zur Diskussion eingeladen.

 

Veranstaltungsdetails
Thema: „Vorbild Berliner Mietshaus. Wiederentdeckung eines nachhaltigen Bautyps“
Format: Buchvorstellung und Gespräch
Datum: Mittwoch, 24. Juni 2026, 18.30 Uhr
Ort: Wasmuth Verlag, Papierhalle, Axel-Springer-Straße 43 in 10969 Berlin