2020 feiert Berlin sein Jubiläum: 100 Jahre (Gross-)Berlin

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Mit denkbar knapper Mehrheit wurde am 27. April 1920 das „Groß-Berlin-Gesetz“ verabschiedet. Durch dessen Inkrafttreten am 1. Oktober 1920 wurde Berlin quasi über Nacht zur drittgrößten Stadt der Welt. Die Bevölkerung verdoppelte sich auf 3,9 Millionen Einwohner, die Stadtfläche wuchs durch die Fusion von Stadt und Umland um das Dreizehnfache auf 878 Quadratkilometer.

Das war viel mehr als nur ein verwaltungstechnischer Akt. Die noch junge Hauptstadt Deutschlands stand vor gewaltigen inhaltlichen und logistischen Problemen. Längst nicht alle Städte und Gemeinden begrüßten ihre Eingemeindung. Sichtbares Symbol für den Widerstand sind die zahlreichen Rathäuser Berlins. Um die Jahrhundertwende wurden in jedem Bezirk, der es sich leisten konnte, ein besonders repräsentatives Amtsgebäude hingestellt. Statt zu kooperieren konkurrierte man, so gab es vor der Fusion 15 Elektrizitätswerke, 17 Wasserwerke, 43 Gaswerke und 60 Kanalisationsbetriebe, die alle um ihre Existenz kämpften.

Auch in 100 Jahren wuchs Berlin nicht wesentlich über sich hinaus. Das heutige Stadtgebiet entspricht in etwa dem von 1920. Nach wie vor sucht Berlin seine Mitte und die Großstadtregion steht neuerlich vor großen Aufgaben und Herausforderungen. Mit dem Bevölkerungswachstum, dem überfälligen Umbau der Infrastruktur und der Zunahme des Verkehrs stellt sich die Frage, wie an die Gestaltung der Großstadt heranzugehen sei.

Das Jubiläum 100 Jahre Groß-Berlin setzt an dieser Stelle einen Punkt. Es ist Zeit innezuhalten und die bisherige Entwicklung zu überdenken. Drei Titel aus unserem laufenden Verlagsprogramm liefern unterschiedliche Beiträge dazu. Alle Bücher können direkt über diese Seite bestellt werden.

In seinem Buch „Der Wettbewerb Gross-Berlin 1910“ analysiert Markus Tubbesing (Potsdam), wie der Wettbewerb „maßgeblich zur Entstehung einer modernen Disziplin Städtebau beitrug“ und mit seinen Ideen ein wesentliches Fundament zu Bewältigung der heutigen Probleme einer unfertigen Metropole legte.

Tubbesing: Wettbewerb Gross-Berlin

 

Wo liegt das Zentrum Berlins? Gibt es überhaupt ein gemeinsames Zentrum und wie sollte es wenn gestaltet werden? Seit der Gründung von Groß-Berlin ist das eine ungelöste Frage, besonders angesichts der historisch gewachsenen Konkurrenz von Alter (Stadt)Mitte und dem Neuen Westen. Doch gab und gibt es eine Vielzahl großer und kleiner Zentren, die eine besondere Stärke Berlins darstellen. Die Beiträge im Buch von Harald Bodenschatz, Markus Tubbesing und Gerwin Zohlen „100 Jahre (Groß-)Berlin und seine Zentren“ stellen dar, wie sich die bewegte Geschichte Berlins auf die Entwicklung einer Vielfalt von Zentren auswirkte und geben einen Ausblick auf ihre zukünftige Weiterentwicklung.

100 Jahre (Groß-) Berlin

Berlin wird ausgebaut und umgebaut und der Staat baut immer mit. in über 100 Jahren einer wechselvollen Geschichte ist das Verhältnis zwischen der Kommune und der Hauptstadt Berlin alles andere als einfach. Dabei geht es nicht nur um die Eingriffe des Staates in die städtebaulichen Belange einer Kommune, die er entscheidend mitgestaltete. Die Beiträge in dem von Harald Bodenschatz, Aljoscha Hofmann und Christian von Oppen herausgegebenen Band „Staat baut Stadt“ betrachten auch die Reaktionen der städtischen Öffentlichkeit auf die staatlichen Aktivitäten.

Staat baut Stadt